Kulturlandschaft Allgäu

Kulturlandschaft Allgäu – „Gau nördlich der Alpen“

Kulturlandschaft Allgäu

Die Kirche St. Colomann schmückt die Kulturlandschaft Allgäu

Bereits im Jahr 817 wurde ein Alpgau erwähnt, ein »Gau nördlich der Alpen«, der nur ein kleines Gebiet in der Gegend von Oberstdorf, Sonthofen und Fischen umfasste. Aus diesem Alpgau ging die Region Allgäu hervor, die sich im Mittelalter sogar bis nach Ravensburg und Überlingen erstreckte. Noch im 19. Jahrhundert war die Ausdehnung des Allgäus größer als heute. Die damalige Grenze bildeten das Hochgebirge im Süden, der Schussen im Westen, die Donau im Norden und der Lech im Osten. Als Begrenzung blieben bis zur heutigen Zeit der Lech und das Hochgebirge.

Im Norden verläuft die Grenze ungefähr mit der B 18 Memmingen–Mindelheim–Buchloe und ragt nur teilweise darüber hinaus. Im Westen ragt das Allgäu nach Baden-Württemberg hinein, bis westlich von Wangen, Kißlegg und Wolfegg und im Norden nach Bad Wurzach. In Bayern gibt es politisch die drei Regionen Unterallgäu (Memmingen, Mindelheim), Oberallgäu (Oberstdorf, Sonthofen, Immenstadt, Kempten) und Ostallgäu (Kaufbeuren, Marktoberdorf, Füssen). Das Westallgäu bezeichnet sowohl die Gebiete in Bayern westlich des Oberallgäus als auch die Gebiete in Baden-Württemberg östlich von Oberschwaben. Die Tourengliederung richtet sich weitgehend nach dieser Einteilung.

Vom blauen zum grünen Allgäu

Kulturlandschaft Allgäu

Die Iller durchstreift das Allgäu

Das Bild vom grünen Allgäu mit seinen saftigen Wiesen und Weiden sowie den braunen Kühen, wie wir es heute beim Radeln erleben, ist eine Schöpfung des 19. Jahrhunderts. Bis Mitte 1850 war die vorherrschende Farbe Blau, da aufgrund des umfassenden Flachs- und Hanfanbaus die Flachsblüte die Felder blau färbte. Aus dem Flachs wurde Leinen gewonnen, das die Ravensburger Handelsgesellschaft mit ihren weitverbreiteten Kontoren in ganz Europa verkaufte.

Den Niedergang brachte die billigere Baumwolle aus Amerika und Indien, die ab Ende des 18. Jahrhunderts durch die Erfindung der Dampfmaschine maschinell gewoben wurde. Damit konnte die aufwendige und zeitraubende Handweberei der Allgäuer Bauern nicht konkurrieren. Zur Selbstversorgung wurden die damals übliche Dreifelderwirtschaft sowie Viehzucht betrieben. Prägend für das Landschaftsbild ist die im 16. Jahrhundert einsetzende Vereinödung. Bei dieser Siedlungsform ist ein allein stehender Hof, ein Einödhof, von seinen Wiesen und Äckern umgeben. Bereits in der Romantik setzte eine Bewegung ein, die erst viel später zu einem wichtigen Wirtschaftszweig wurde: der Tourismus. Die ersten Reisebeschreibungen über das Allgäu wurden schon 1784 und 1803 verfasst.

Kulturlandschaft Allgäu

Moorlandschaft Wurzacher Ried

Der Alpinismus begann 1830. Ein neuer Wirtschaftszweig eröffnete sich, als ein Lindenberger Fuhrunternehmer 1827 einen Schweizer Sennen aus dem Emmental mitbrachte, der aus der Allgäuer Milch nach Schweizer Vorbild den Emmentaler, genauer den Allgäuer Emmentaler, machte – bis heute ein großer Erfolg. Wenig später wurde unter Carl Hirnbein eine weitere Käseart im Allgäu heimisch: der Weichkäse. Die Sorten Limburger und Romadur aus dem Allgäu verkaufte Hirnbein in ganz Deutschland. Er war mit über 1000 Hektar Grundbesitz weit über das Allgäu hinaus als »Alpkönig« bekannt. Mit dem Aufschwung der Milchwirtschaft wurden immer mehr Äcker in Wiesen umgewandelt – das Allgäu wurde grün. Heute werden im Allgäu mehr als hundert verschiedene Käsesorten produziert, von denen der Emmentaler und der würzige Bergkäse am bekanntesten sind.

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